Qou vadis WoW?

geschrieben von FrauSchmitz am 26. April 2010
Kategorie: FrauSchmitz


Ich als Casual-Gamerin, verfolge ja -nach wie vor- mit einem Auge, die “Szene”, auch wenn mein World of Warcraft Account seit Monaten auf Eis liegt und ich mir derzeit auch nicht vorstellen kann, wieder regelmässig zu spielen. Letztens hatte ich ein Gespräch mit meiner “Nageltante” über genau dieses Spiel und die damit verbundenen Konflikte im Haus. Sie ist eine sehr symphatische Frau -vermutlich Anfang oder Mitte 40- und ihr jüngster Sohn, zwischen 15 und 17, spielt auch WoW. Ich habe ihr dann erstmal erklärt, was “leveln” bedeutet und weitere Vokabeln erklärt, die sie gehört aber nicht so richtig verstanden hatte. Dann fragte sie mich noch wie meiner Einschätzung, was das Spielpensum betrifft und das sie nicht versteht, wieso ihr Sohn immer gleich stundenlang davor hängt.
Und genau da ist ja oft das Problem. WoW ist eben kein Spiel, wo man sich mal eben eine halbe Stunde einloggt.  Gerade im End-Content wenn es um die höherstufigen Instanzen geht, muss man zum Teil Stunden einplanen. Bei uns war es früher auch gerne mal so, dass man 45 Minuten einplanen musste, bis die Gruppe vollständig war und es losgehen konnte. Dann war man je nach Instanz auch gerne 2-5 Stunden mit der Gruppe unterwegs. Und da kann man eben nicht nach einer Stunde sagen: “So, ich muss jetzt los…tschüss.”
Und hier kommen wir zu einem weiteren Aspekt des Spiels. Bei World of Warcraft steht der soziale Aspekt weit mehr im Vordergrund als viele ahnen und ohne Disziplin und Teamfähigkeit erreicht man ab einem gewissen Grad in dem Spiel auch nichts mehr. Man spielt meistens in einem sozialen Verbund (einer Gilde) und dort entstehen mitunter Freundschaften, die auch abseits von WoW bestehen bleiben. Es gibt Real-Life-Gildentreffen außerhalb des Spiels und innerhalb des Spiels geht sowieso nichts mehr ohne Mikro/Headset und Teamspeak.
Ich habe WoW immer als Hobby betrachtet und so wie andere Kegeln gehen, hatte ich eben WoW als Hobby. Es gab Phasen, da habe ich intensiver gespielt und es gab Phasen, da lag mein Account auch mal 6 Monate am Stück auf Eis. (bevorzugt im Sommer) Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass ein gewisser Suchtfaktor da ist und man, ob bei sich selbst oder eben bei seinen Kindern, wachsam sein sollte. Das hängt natürlich auch von der jeweiligen Persönlichkeit ab. Würde ich mein Kind WoW spielen lassen? Ja, würde ich – solange die Schulnoten im Rahmen sind und solange mein Kind jede Real-Life-Aktivität mit Freunden, dem Computerspiel vorzieht.
Zuckerbrot und Peitsche! Würden die Schulnoten schlecht, dann würde WoW gestrichen und der Fokus wieder mehr auf die Schule gelegt. Normal oder? Darüber hinaus gibt es in der Accountverwaltung des Spiels für Eltern die Möglichkeit die Spielzeit der Kinder zu beschränken. Ich finde es gut und wichtig, dass sich Eltern dafür interessieren, was ihre Kinder da eigentlich spielen. Dennoch sollten sich Eltern immer im Dialog mit den Kindern begeben, was die Spielzeit angeht.
Ich kenne meine Gilde übrigens seit 2005 und habe mich nicht nur mit der gesamten Gilde schon getroffen, sondern auch mit einzelnen Gildenmitgliedern. So war ich 2008 beispielsweise bei einer WoW-Freundin in München zu Besuch. Gefunden habe ich diese Gilde über einen Artikel in einem Online-Spielemagazin. Dort hatte der Gildenchef einen Artikel zum Thema “Quo Vadis, WoW” veröffentlicht, indem es auch ein Stück weit um Freundschaft ging. Dort schrieb er beispielsweise: “…Mir fällt dazu spontan mein Vater ein. Der geht seit nun mehr über 45 Jahren jeden Dienstag Abend mit den gleichen vier Freunden Skat spielen. Eigentlich sollte man doch annehmen, dass einem das Spiel dann irgendwann langweilig wird, genau wie den Leuten Scholo/Strat etc. [Anm.von FrauSchmitz - Namen von Instanzen] langweilig wird. Aber dem ist nicht so. Und warum? Weil sie eben unter Freunden sind und immer was zu reden haben, zusammen lachen und schimpfen. Das Spiel selber ist nur eine unterhaltsame Nebensache. Ob sie jetzt Skat spielen, Kegeln oder Hallenhalma spielen würden, wäre glaub ich total egal…”
Weiter schrieb er: “… Letztens hat mich jemand gefragt ob ich nicht mit nach MC wolle, ihnen fehle gerade noch ein Krieger. Ich sagte: “Danke, aber ich gehe gleich mit der Gilde nach Strat”. Daraufhin kam: “Aber MC ist doch viel lustiger als so ein langweiliger Gildenraid nach Strat”. Da frage ich mich wirklich, ist das sein Ernst? Warum soll ich mit 39 fremden Leuten, denen ich vollkommen egal bin und die alle nur ihre Items  wollen, nach MC gehen, wenn ich mit meinen Freunden zusammen nach Strat gehen kann, wo sich jeder freut wenn irgendein brauchbares Teil dropt. Egal ob er es brauchen kann oder ein anderer. Das ganze wäre so, als wenn ich mich mit Freunden verabredet habe das Fußball-Weltmeisterschafts-Endspiel in der Kneipe vorm Fernsehen anzusehen und plötzlich ruft mich ein Gewinnspiel an und sagt: “Herzlichen Glückwunsch. Sie haben eine Eintrittskarte zum Endspiel gewonnen”. Ja was soll ich denn alleine unter 50.000 Fremden Menschen im Stadion, wenn ich niemanden habe mit dem ich meine Begeisterung teilen kann? …”
Dieser Artikel hat mich dazu gebracht, auf dem entsprechenden Spielserver nach dem Autoren zu suchen und ihn im Spiel anzusprechen. Ich wurde nach einem kurzen Gespräch in die Gilde eingeladen und bin auch 2010 noch Mitglied im “Rat der Grauen”.  und selbst wenn ich mal ein halbes Jahr pausiere, so ist die Freude doch immer groß, wenn man nach langer Abwesenheit mal wieder “online” ist.
Ich möchte WoW hier keineswegs schön reden. Meiner Meinung nach kann das Spiel wirklich süchtig machen, wenn die Veranlagung dazu da ist. Aber nicht jeder WoW-Spieler ist automatisch süchtig. Das ist genau wie mit den ach-so-bösen Ballerspielen. Mag sein, dass unter den jüngsten Schul-Amokläufern einige Counterstrike, Call of Duty etc. gespielt haben, aber nicht aus jedem dieser Spieler wird irgendwann, zwangsläufig ein Amokläufer.
Was allerdings gar nicht geht und mich zutiefst geschockt hat, ist eine wahre Begebenheit, die ich bei Halliway im Blog gelesen habe.
Hier ging es um Eltern, die stundenlang WoW spielen und dabei ihre Kinder vernachlässigen.
Ihren kompletten Beitrag dazu -schockierend und alamierend- findet ihr hier.
Halliway schreibt über dieses Elternpaar: “…Ich stellte mir öfters die Frage, was wohl mit ihren Kindern ist? Was sie tun und wie es ihnen geht. Genau die Fragen habe ich auch im Spiel gestellt und es kam dann immer: die sitzen im Wohnzimmer und gucken DVD oder sie spielen in ihren Zimmern. Für ein oder zwei Stunden ist dagegen auch nichts einzuwenden. Aber wenn sich dieser Zustand über einen Zeitraum von über 6 Stunden hinzieht und das Tag für Tag, dann finde ich das arg bedenklich. Die besagten Eltern zogen von einer Instanz zur nächsten und wie oben schon beschrieben kann man nicht so ohne weiteres für ein oder zwei Stunden eine Pause einlegen, weil die Kinder essen wollen oder beschäftigt werden möchten…. “
Tragisch ist auch, dass das Jugendamt bereits von den Nachbarn eingeschaltet wurde – aber nicht wegen der WoW-Manie, sondern weil die Eltern wohl auch gerne mal laut werden und auch zulangen.
Wahrscheinlich weil sie genervt sind, wenn die Kinder dann doch mal Aufmerksamkeit wünschen, während die Eltern in Ruhe spielen wollen.
Hier weiß ich auch nicht, wie ich reagiert hätte wenn mir in meiner Gilde ein ähnlicher Fall begegnet wäre. Das Jugendamt einzuschalten scheint mir der richtige Weg. Denn es gibt nichts schlimmeres als tatenlos zuzusehen wenn Kindern -auf welche Art auch immer- Leid zugefügt wird und letztlich ist es in meinen Augen wie im Straßenverkehr: Wer an einem Unfall vorbeifährt ohne zu helfen, macht sich strafbar.
Vermutlich gibt es aber überall schwarze Schafe und wenn man bedenkt, dass über 11 Millionen Menschen WoW spielen, dann wird es sicher eine Vielzahl an schwarzen Schafen sein.
Und wenn ein Bruchteil davon durch die Medien geht, wird das Image des Spiels belastet und Eltern werden nervös wenn ihre Kinder WoW spielen. Sind sie süchtig? Droht der soziale Verfall?
Für mich bleibt WoW ein Faszinosom – kein Computerspiel hat mich mehr gefesselt und ich bin mir sicher, ich werde wieder vorbeischauen, schon allein um mal zu  sehen, was meine Gildenkameraden so treiben. Übrigens habe ich vor ein paar Tagen gelesen, dass unsere Gilde in diesem Jahr mal wieder ein Real-Life-Treffen plant. Ich freu mich drauf.

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4 Kommentare zu “ Qou vadis WoW? ”

  1. Halliway sagt:

    Ich muss dazusagen, dass die von mir in deinem und meinem Artikel beschriebene Person NICHT in meiner Gilde ist. Sie war es vor vielen Jahren mal und hat dann ihre eigene 1 Mann Gilde ins Leben gerufen. Diese Vernachlässigung ihrer Kinder und ihr minds. 12 Std Daueraufenthalt in Azeroth waren mit ein Grund, wieso sie gehen musste.

    Nichtsdestotrotz bin ich noch dran diesen Vorfall ernsthaft ans Jugendamt weiterzuleiten. Eine ehem. Kollegin von mir (Ich war 5 Jahre im öffentlichen Dienst beschäftigt) ist z.Zt noch im Mutterschutz. Sie wird Anfang Mai zurück sein. Ich bin guter Hoffnung, dass sie Ideen und Möglichkeiten hat, wie der Familie und spez. den Kindern geholfen werden kann.

  2. links for 2010-04-27 « Nur mein Standpunkt sagt:

    [...] http://www.frauschmitz.de/?p=944 "Ich möchte WoW hier keineswegs schön reden. Meiner Meinung nach kann das Spiel wirklich süchtig machen, wenn die Veranlagung dazu da ist. Aber nicht jeder WoW-Spieler ist automatisch süchtig. Das ist genau wie mit den ach-so-bösen Ballerspielen. Mag sein, dass unter den jüngsten Schul-Amokläufern einige Counterstrike, Call of Duty etc. gespielt haben, aber nicht aus jedem dieser Spieler wird irgendwann, zwangsläufig ein Amokläufer." (tags: Comuter Spiele) [...]

  3. frauschmitz sagt:

    @halliway: Das spricht für Eure Gilde, dass diese Person gehen musste. Das Du an der Sache dran bleibst finde ich super. Wenn ich Dir dabei irgendwie helfen kann, lass es mich wissen.

  4. Thierry sagt:

    Bin ja auch WOW Spieler aber denke die Suechtigkeit und so kann einerseits von den Eltern bekaempft werden, aber anderseits auch von den Mitspielern.
    Wenn Du mit Leuten spielst die sagen das RL wichtig ist und dann aufgrund von Familienfeier, BBQ, schoenes Wetter oder sonstiges auch mal sagt, sorry jungs heute Abend nicht, diese Woche nicht etc., dann lernen die Neuen auch das das echte Leben wichtig ist.
    Falls die aber in eine Gilde kommen in der Leute fuer WOW das Leben vernachlaessigen lernen die das so.
    Kindern lernen halt meist durch nachmachen.
    Also aufruf an alle WOW Spieler, gebt das gute Beispiel.
    PS: Komm uebrigens auch dieses Wochenende von einem Gildentreffen mitten in Hessen zurueck. Ohne Computer sondern nur Wald und Kanufahren :)

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